unter der meldung über die solidarisierung mit den menschen in burma, indem man heute rote shirts tragen soll, hat die taz eine eigenwerbung platziert.
zufall oder zynismus?
(den rechtschreibfehler in der meldung hätten sie aber auch noch redigieren können)

kafkaesk - 28. Sep, 15:09
in der ferne spielt ein grammophon die neusten nichtssagenden und belanglosen hits aus den charts.
als er erwacht, ist es stockfinster.
seine hand tastet den kalten asphalt ab. eine klebrige, stinkende substanz blieb an ihr haften.
"scheiße!"
die kotzlache lag direkt neben ihm. an seiner hand klebte eine mischung aus wein, wodka, bier, tomatensoße und nudeln.
"so ne verdammte scheiße"
der versuch, das zeug von der hand abzuschütteln mißlang. schließlich strich er die hand an seinem schwarzen anzug ab.
um ihn herum drehte sich alles. er dachte an gestern abend, elsas rotes kleid und elsas blonde haare und elsa neben ihm im bett und wie ihre haare ihn an der nase kitzelten und elsa lachend am frühstückstisch. er überlegte, wie eine tolle frau wie elsa an einen typen wie ihn geraten konnte. er war fett und meistens mies gelaunt. er dachte an seinen beschissenen chef, der ihn immer anbrüllte, er solle die verdammten akten aus dem verdammten schrank aus dem verdammten keller-kabuff holen. er dachte an seinen scheiß job in der verwaltung in der ausländerbehörde. was gingen ihn die ganzen leute und ihre mehr oder weniger tragischen lebensgeschichten an? nichts. eben und deshalb interessierten sie ihn auch nicht.
wo zum teufel war er? er hatte keine ahnung. auch nicht wie er hieß oder woher er kam.
sein kopf war schwer und seine augen schmerzten beim versuch sie zu öffnen. schemenhaft erkannte er ein paar fette ratten, die um die umgekippten mülltonnen herumwuselten. angewidert drehte er sich weg. neben ihm lag ein zerbrochenes weinglas. etwas billiger rotwein sickerte heraus. er richtete sich langsam auf, stützte sich auf einen laternenpfosten und rutsche wieder ab. sein linkes hosenbein war zerrissen. sein ehemals weißes hemd war schmutzig und voller eingetrockneter blut- und kotzflecken. seine haare waren ungewaschen und im gesicht hatte er etliche kratzer. er hielt seine hand vor seinen mund und hauchte sie an. er stank nach scheiße und kotze. erst jetzt bemerkte er, dass seine hand blutete. er zog ein paar glasscherben aus ihr heraus. er dachte wie erbärmlich er doch war. er schämte sich seiner selbst. er umklammerte den laternenpfosten und richtet sich wieder auf. dieses mal klappte es. er versuchte ein paar schritte zu laufen. er torkelte und schnaufte nach jedem schritt heftig. sein linker schuh fehlte.
ein igel lief die straße entlang. interessiert blickte er ihm nach. "igel sind unterschätzte tiere. eigentlich kennt man sie nur als zermatschte tiere, deren eingeweide auf der straße überall verstreut sind. dabei sind sie soviel mehr. man müsste sich halt mal die mühe machen, sie näher kennenzulernen."
der igel wurde von einem schwarzen citroen überfahren. die eingeweide waren auf der straße überall verstreut. "so ne scheiße", murmelte er und kramte in seiner verbeulten hosentasche herum. ein zerknülltes butterbrotpapier mit einem nutella-fettfleck in der ecke kam zum vorschein. mit einem schwarzen bic-kuli wurde hastig mit krakliger handschrift eine nachricht geschrieben.
"wieso liegst du auf der straße neben einer kotzlache herum und philosophierst über zermatschte igel?
hilf mir.
e.
xoxo"
kafkaesk - 28. Sep, 12:37