diskurs (1): the cinematic orchestra

© ninjatune
auf dem weg zur wohnung: grauer himmel, der regen prasselt unaufhörlich herab, vorerst vorbei die zeiten, in denen wärme den tag dominierte. überall menschen, die ihre übellaunigen gesichter unter regenschirmen verstecken und in triste gebäude verschwinden. im regen unterwegs zu sein ist nicht schlimm, denn ich höre cinematic orchestra, und die musik des fimischen orchesters lässt das grau vergessen.
cinematic orchestra ist wie keine andere band mit dem kino im kopf verbunden. das liegt zum einen am namen, an jason swinscoes liebe zum film, und an der tatsache, dass cinematic orchestra dziga vertovs stummfilmklassiker man with a movie camera vertont haben. sprich, wenn man für cinematic orchestra ein neues genre erfinden würde, dann wohl kino-im-kopf-musik.
jason swinscoe hat cinematic orchestra 1999 gegründet. damals war er noch ein angestellter bei ninja tune. ninja tune, muss man hier noch erwähnen, ist ein bedeutendes londoner indielabel, dessen einfluss in sachen elektronischer musik, hip hop und jazz legendär ist. das label versteht es wie kein zweites neue musikalische impulse zu geben, experimentierfreudig zu sein und standards für fortschrittliche musik zu entwickeln. da verwundert es auch nicht, dass ein vertrag bei ninja tune einem ritterschlag gleicht.
doch zurück zu the cinematic orchestra. diese band hat ein neues album veröffentlicht. das erste seit fünf jahren. ma fleur heißt die platte. entstanden ist sie in paris. ma fleur besteht aus einer mischung aus elektronika, jazz-elementen, drum'n'bass und orchestralen arrangements. das album wurde eigentlich als soundtrack konzipiert. swinscoe hat verschiedenen stimmungen entworfen und das demo-tape einem befreundeteten drehbuchschreiber zum hören gegeben. dieser wiederum entwarf zu den stücken ein skript für eine kurzfilmreihe, die die lebensreise von der geburt bis zum tod behandeln. inspiriert von dem skript, entwickelte swinscoe die tracks weiter.
herausgekommen ist ein überwältigendes album. zerbrechlich und kraftvoll, zwischen euphorie und melancholie, das aber nie kitschig ist. für die unterschiedlichen stimmungen auf dem album sorgen die soullegende fontella bass, der kanadische sänger patrick watson und die großartige lou rhodes (lamb).
alles in allem also eine sehr gute basis für einen nachdenklichen, ruhigen und geduldig inszenierten film.
the cinematic orchestra
ma fleur
-ninja tune-
discography:
everyday
the man with a movie camera
motion
kafkaesk - 14. Mai, 20:42


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